Der Freizeit-Radsport ist im Kommen

Der Wochenspiegel on Tour: Heute zu Gast beim Radsportclub Neuruppin

Neuruppin Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin sind 159 Sportvereine mit über 13.000 Sportlern unter dem Dachverband des Kreissportbundes organisiert. Dazu kommen viele Freizeitmannschaften, Laufgemeinschaften sowie Einzelsportler, die einfach viel Freude an der Bewegung haben. Damit gehört der Landkreis OPR zu den sportlichsten im Land Brandenburg. Einen der vielen Sportvereine stellen wir heute vor:

Ruppiner Radsportclub 1909/1990 e.V.

Zunächst gründete sich der Arbeiter- und Kraftfahrerbund "Solidarität", Ortsgruppe Neuruppin, im Jahre 1909. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Bund durch die Sportvereinigung Lokomotive übernommen (1949). Im Zuge der Wiedervereinigung erfolgte die Umbenennung des Vereins in den RRC 09/90 e.V. mit den beiden Sektionen Radball und Radwandern.

Radball

Montagabend, Turnhalle an der Karl-Liebknecht-Schule in Neuruppin. Ich bin zu Gast bei den Radballern. Sektionsleiter Norbert Schliebner öffnet mir freundlich die Tür. Wir gehen in die Halle und schauen dem Treiben zu. Etliche Jugendliche sind auf nicht herkömmlichen Fahrrädern unterwegs, fahren Slalom, sind beim Torschusstraining oder üben sich im Halten auf dem Rad. Zu uns gesellt sich Torsten Nagel, ein Urgestein des Ruppiner Radballs.

Wir fachsimpeln, auch über die DDR-Zeit. "Wir hatten das Glück, bei Lokomotive Neuruppin eingegliedert gewesen zu sein, dadurch hatten wir die Möglichkeit, per Zug die DDR ohne Kosten zu bereisen", erzählt Schliebner. Allerdings gab's auch Tücken, denn wir mussten unsere Räder immer eine Woche früher losschicken und waren froh, wenn sie am Spielort ankamen. Einmal waren wir in Erfurt zum DDR-Oberligaspiel, die Räder allerdings in Leipzig.", fügte Nagel hinzu.

Radballer in Aktion: Jens Dreschler und Torsten Nagel zeigen, was sie können.

Das Training geht weiter. Torsten Nagel stellt Kegel auf, erklärt Trainingsinhalte. Jens Dreschler, ebenfalls Neuruppiner Urgestein, dreht mit dem Rad seine Ausdauerrunden, beim Vorbeifahren stellte er schon mal klar: "Eine halbe Stunde auf dem Rad muss sein."

Respekt denke ich mir, denn die Räder mit dem langen Lenker und dem weit zurückgezogenen Sattel, ohne Bremse aber zum Rückwärtsfahren geeignet, sind nicht leicht zu beherrschen. Der Name Schliebner steht für eine lange Sportlertradition im Ruppiner Land. Helmut Schliebner und seine Mitstreiter mussten nach dem Krieg zur russischen Kommandantur und baten um die Herausgabe der beschlagnahmten Räder.

"Die hätten sonst nicht mehr trainieren können", berichtet sein Sohn Norbert Schliebner. Mit den Rädern und einer handvoll Mitstreiter ging es in die Rosenstraße. Für die Ruppiner Radballer blieb die altehrwürdige Rosenhalle das Domizil für die Ruppiner Radballer. Seit geraumer Zeit nun trainieren und spielen die Ruppiner Radballer in der Halle an der Mehringstraße 1a. Und es scheint gut zu gehen. Man hat jetzt ein Feld mehr und auch der Nachwuchs kommt eher hierher als in die Altstadt.

Norbert Schliebner im Vereinsraum.

Neben der Halle steht ein Container. Neben einer Teeküche und einer kleinen Werkstatt befindet sich hier auch der Vereinsraum. Neben unzähligen Medaillien, Pokalen, Souvenirs befinden sich auch Zeitungsartikel. Einer aus dem Jahr 2009 zum hundertjährigen Bestehen des Radsportclubs. Besonders stolz ist der ehemalige Lehrausbilder für Forstarbeiter auf ein Bild mit Rahmen aus dem Jahr 1959.

Es zeigt einen Ausflug mit Blick auf die Stendenitzer Brücke. Es war der 50. Geburtstag des Vereins. Und das Bild hing mehrere Jahrzehnte in der Gaststätte "Zur Sonne" in der August-Bebel-Straße. "Das war so was wie unser Vereinslokal", berichtet Schliebner.

In der Halle lichten sich allmählich die Reihen. Die alteingesessenen Radsportler spielen noch ein kleines Match. Zwei gegen Zwei. Immer noch spürt man den Ehrgeiz dieser vier erfahrenen Radballer. Das Ball kracht in die Maschen. Der Nachwuchs beeindruckt.

Radwandern

Die zweite Sektion, die Radwanderer, sind seit den 80er Jahren beim Radsportclub. Vereinsvorsitzender Uwe Wöller erzählt, dass sich nach der Wende auch für die Radwanderer einiges geändert hat. "Wir setzen jetzt andere Prioritäten. Die Touren, die wir heute machen, sind in kurzen 14-tägigen Abständen. Mal geht's ins Ruppiner Land, mal fahren wir auch schon in andere Gefilde, dann mit dem Rad auf dem Autodach."

Die Radwanderer wurden im April mit dem "Bronzenen Stern des Sports" und vor kurzem mit einem "Silbernen Stern des Sports" ausgezeichnet. Ihr Projekt "FahrRad!-Tag", bei dem es darum geht, Breitensportler aufs Rad zu setzen und die Ruppiner Umgebung kennenzulernen, überzeugte die Jury. Zudem gewannen die Radsportler am 8. Mai 2015 den Pokal des Landrates für Integration / Innovation, den Pokal "Stillen Sieger".

Oktober 2015: Die Radwanderer unterwegs.

Damit setzten die Radwanderer großen Wert Gemeinschaftserlebnis, Vereinsleben und soziales Engagement. "Wir sind rund 30 Mitglieder und nicht immer sind alle dabei, dennoch sind wir oft 35 bis 40 Radfahrer. Da sind auch nicht Mitglieder dabei. Das macht riesigen Spaß. Schon in der Vorbereitung."

Man merkt auch hier, da sind echte Macher am Werk und ich hab noch zwei Fragen an Uwe Wöller:

Wie sieht die Entwicklung im Radsport in unserer Region aus?
"Der Freizeitradsport ist im Kommen. Daher haben wir auch unsere Prioritäten so gesetzt, dass wir mit unseren Aktionen auch immer viele Radfahrer ansprechen an unseren Fahrradtagen teilzunehmen."

Was habt ihr für die kommende Zeit geplant?
"Ab März bieten wir wieder vierzehntägig Fahrradtouren an. Der große Tag wird dann am 23. April 2016 sein. An diesem Tag steigt dann der 4. FahrRad!-Tag. Wir haben einen zentralen Anlaufpunkt, den Neuruppiner Schulplatz. Wir bieten mehrere Fahrtstrecken an und versuchen auch dort wieder gleichzeitig ins Ziel zu kommen.

Und wir unterstützen wieder die Mukoviszidose-Aktion der Geschäftsstelle Berlin-Brandenburg. Im letzten Jahr sind 620 Euro zusammen gekommen. Daneben werden Halbtagsfahrten geplant, eine geht in die Region Spreewald, an der auch polnische Radfahrer beteiligt sind."

© Wochenspiegel, Rudolf Rienaß


Tag der stillen Sieger

Pokal des Landrates

Zwei Wochen nach dem 3. FahrRad!-Tag ging am Freitag, den 08.05.2015 für den Ruppiner Radsportclub 1909/1990 e.V. eine erfolgreiche Woche zu Ende. Am Ehrenamtstag 'Tag der stillen Sieger' wurde er für die beste Integration / Innovation geehrt.

Gespannt wurde auf die Verkündung gewartet. Die beiden neun-jährigen Lennox Zechlin und Leon Wagner stellten ihr Können minutenlang unter Beweis. Sie standen regungslos auf Ihren Kunsträdern, während der Vereinsvorsitzende Uwe Wöller und Jugendwart Torsten Nagel die Glückwünsche und Präsente zum Pokal des Landrates entgegen nahmen.

Strahlende Gesichter während und nach der Veranstaltung.

Für die gelungene Veranstaltung bedanken wir uns bei:

  • Fehrbellins Bürgermeisterin Ute Behnicke
  • Helmut Riestock, Rhinmilch
  • Kreissportbund
  • Sparkasse Ostprignitz-Ruppin

sowie der Jury, allen anderen die uns tatkräftig unterstützen und der

  • Sportredaktion vom Ruppiner Anzeiger für die Breitstellung von Bildern und Textabschnitten

© Matthias Haack